NKR – Leben schenken & Deutsche Nabelschnurblutbank

Erfahrungsbericht einer Knochenmark-Spende

Begonnen hat es mit einem Anruf, dass ich als Stammzellspender in Frage kommen würde. Nach einem ausführlichen Informationsgespräch, in dem ich auch über die Risiken des Spenders informiert wurde, begannen die Untersuchungen. Eine Begleitperson unterstützte mich dabei, so dass ich ein wenig Unterhaltung während der Wartezeit hatte.

Es erfolgt eine Blutentnahme, es wurde die Lunge geröntgt, ein Lungenfunktionstest (in eine Art Sack blasen) durchgeführt, Ultraschalluntersuchung der inneren Organe (Leber, Milz, Nieren etc), EKG. Natürlich die üblichen Untersuchungen wie Abhören der Atemfunktion, Abtasten des Oberbauchs, Pupillenreaktion, Blutdruck und Herzfrequenz messen, Abklopfen der Wirbelsäule. Das ganze zog sich über mehrere Stunden hinweg, da sollte man schon etwas Zeit mitbringen.

Als Ergebnis kam heraus, dass ich keine peripher gewonnenen Stammzellen aus dem Blut spenden dürfe, blieb also nur die Entnahme von Knochenmark unter Vollnarkose. So wurde ich ein zweites Mal untersucht und für spendetauglich erklärt. Da der Empfänger ungefähr mein Gewicht (85 kg) hatte, erfolgte ca. 10 Tage vor Entnahme eine Eigenblutspende (dauert 5 Minuten für 450 ml), zudem war mein Ferritinwert (Eisengehalt) niedrig. Also bekam ich Eisentabletten verschrieben.

Am Tag vor der Entnahme erfolgte die Aufnahme ins Krankenhaus, auf der Station waren auch Patienten, welche schon eine Chemotherapie hinter sich hatten. Da bekommt man als gesunder Mensch gleich einen Eindruck, wie wichtig und notwendig Spender sind. So wie ich das verstanden habe, ist eine Stammzellenspende die letzte Therapie, wenn alles andere nicht angeschlagen hat. Nach der üblichen Blutentnahme um das Blutbild zu erstellen, erfolgte eine kurze Untersuchung und noch einmal eine Information über den Eingriff. Dann wurde ein Zugang gelegt und am Abend gab es eine Einschlafhilfe, schließlich ist man ja schon etwas aufgeregt.

Am nächsten Morgen gab es dann die sogenannte "leck ArXXX Tablette", im Bett ging es dann in den OP, wo dann das Narkosemittel verabreicht wurde. Das Team war sehr professionell, wir unterhielten uns ein wenig und bums war ich weg. Ich glaube, dass ich ein wenig geträumt habe, jedenfalls wurde ich wach. Während der Aufwachphase habe ich mich geräkelt und gestreckt, um "durch" zu kommen. Dann kam auch schon der freundliche Pfleger und fuhr mich wieder zurück auf die Station, wo mir meine Eigenblutspende verabreicht wurde.

Da es mir gut ging, durfte ich trinken und habe auch erstmal 1,7 Liter Wasser und Saft zu mir genommen. So nach einer Stunde habe ich mich an den Bettrand gestellt und die "Ente" gefüllt. Vom Kreislauf her war ich noch etwas wackelig und beschloss, keine Experimente zu wagen, obwohl die Toilette nur wenige Meter entfernt war. Einige Stunden später bekam ich dann das Mittagessen.

Entnommen wurde mir 1,5 Liter Knochenmark und Blut (laut Professor Hastig: ein schöner großer Beutel voll) aus fünf Punktionstellen im Beckenknochen, die Menge resultiert aus den Empfängerangaben (ca. 80 kg). Ein anderer Spender hat für ein Kind (10 kg) gespendet, ihm wurden 380 ml entnommen. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, ich habe keine Schmerzmittel bekommen. Sie sind zu vergleichen mit einem Muskelkater (nach einem Marathonlauf mit wenig Vorbereitung). Am frühen Abend habe ich dann schon den einen oder anderen Spaziergang im Krankenhaus gemacht, um wieder auf die Beine zu kommen und damit der Kreislauf belastet wird.

Gegen Abend wurde ich noch einmal untersucht, ein Blutbild erstellt und es gab ganz normal Abendbrot. Ein bisschen schlapp habe ich mich noch gefühlt. Die Schmerzen bewegten sich in der Region "unangenehm aber erträglich", dazu muss ich sagen, dass ich ein Jammerlappen bin und selbst die kleinste Spritze mir unangenehm ist, obwohl ich seit ca. zehn Jahren Thrombozyten spende.

Am Tag nach der Entnahme gab es normal Frühstück, die Nachtruhe war nicht so Klasse, wohl aber auch zurückzuführen auf die ungewohnte Umgebung. Nach einer weiteren Blutuntersuchung, Abtastung der Organe, Blutdruckmessung etc. durften wir (der andere Spender und ich) so gegen 10:00 Uhr das Krankenhaus verlassen.

Fazit: Wegen der zu entnehmenden Menge hatte ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, auch die Vollnarkose behagte mich nicht so sehr. Letztlich bin ich aber über den Verlauf der Entnahme sehr zufrieden. Ich liege gerade auf dem Rücken im Bett und schreibe diesen Bericht. Es ist noch ein Druckschmerz zu spüren, aber das wird sich wohl bald geben. Mein Hämoglobinwert lag nach der Entnahme bei zwölf und wurde durch die Eigenblutspende gesteigert. Eine wenig schlapp fühle ich mich noch. Ich hoffe, mit diesem Erfahrungsbericht zukünftigen Spendern etwas unter die Arme zu greifen, um Zweifel oder Ängste zu zerstreuen -
Kopf hoch, wir tun Gutes!

Michael


Nachtrag:
Zwei Tage
nach dem Spenden:
Kleiner Nachtrag für die Sportlichen unter uns Spendern: ich habe es gerade mal geschafft, ca. zwei Kilometer mit dem Rad zu fahren, dann war der Ofen aus. Und zwar richtig.
Bei mir hängt dies natürlich mit der entnommenen Menge zusammen, mir wurde erklärt, dass diese ca. 20 Prozent meines Volumens entspricht.

Drei Tage nach dem Spenden:
Heute am dritten Tag nach dem Spenden fühle ich mich schon fitter. Auch habe ich mal nach dem geschaut, was sich unter dem Pflaster tut, und die Wundheilung ist meiner Meinung nach OK.

 




Drei Tage nach der Entnahme (Foto: Michael)

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